Feldkirch – die Stadt der Stifterinnen und Stifter

Austria Guide Werner Gerold führte durch Feldkirch und machte die lange Tradition des Stiftens in der Montfortstadt sichtbar. © Henning Heilmann

Feldkirchs lange Stiftertradition

Kostbar und karitativ: Gestiftete Kunstwerke und Einrichtungen in der Montfortstadt.

Die bedeutendsten Kunstwerke, die heute in Feldkirch bewundert werden können, sind Stiftungen: die Silberne Monstranz, der Annen- und Marienaltar und wertvolle Bücher der Humanisten-Bibliothek. Selbst am Beginn der Stadt Feldkirch steht eine Stiftung.


Unter dem Stichwort “Feldkirch – die Stadt der Stifterinnen und Stifter” luden Austria Guide Werner Gerold und die Rheticus Gesellschaft zum Rundgang auf den Spuren der Stiftungen ein. An acht geschichtsträchtigen Orten wurde ein Blick zurückgeworfen.

Weltwissen aus vergangenen Jahrhunderten: Sebastian Münsters “Cosmographia” aus dem Jahr 1598. Das wertvolle Exemplar wurde der Stadt von Jutta Gnaiger-Rathmanner geschenkt. © Henning Heilmann

Stadt der Stifter

Die Johanniterkirche, Start des Rundgangs, wurde im Jahr der Stadtgründung 1218 errichtet. Der damalige Papst forderte von Graf Hugo eine Beteiligung am Kreuzzug. Der Graf stiftete dem Johanniterorden ein Hospiz samt Äckern, wovon die Johanniterkirche noch steht.


Zweiter Ort des Rundgangs auf den Spuren der Stifter war die ehemalige Lateinschule im Goaßzipfel. Nähere Infos gab es über deren berühmtesten Absolventen, Hieronymus Münzer. Der Handel mit pharmazeutischen Produkten mit seinem Bruder verhalf ihm zu Vermögen. Er gründete nicht nur eine Stiftung für arme Schüler in Feldkirch, sondern stiftete auch die Monstranz für die Pfarrkirche in Feldkirch, die aufs Jahr 1506 datiert.


Weiter ging es in die Neustadt 12, wo das Haus des Churer Domkapitels besichtigt wurde. Hier entstand das Hummelbergische Benefizium, eine Stiftung von Domdekan Johann Damian von Hummelberg. Am Rathaus wurde über das Heilig-Geist-Spital, das sich im rechten Gebäudeteil befand und ebenso 1218 errichtet wurde, informiert. Der Sozialstaat entstand nach dem Ersten Weltkrieg. Früher oblag Wohltätigkeit Stiftungen wie dem Armeninstitut, der Bettelsäckelstiftung und der Maria-Magdalena-Pflege.


Fünfte Station auf Stifter-Spurensuche war die Stadtbibliothek, wo Sebastian Münsters Cosmographia ausgestellt ist, eines der berühmtesten Bücher der frühen Neuzeit. Das Exemplar von 1598 mit einem Holzschnitt der Stadt Feldkirch wurde der Stadt von Jutta Gnaiger-Rathmanner als Schenkung überlassen. Bibliotheksleiterin Renate Mille schlug besonders wertvolle antike Bücher auf, wie die Schedelsche Weltchronik, eine illustrierte Darstellung der Geschichte mit einzigartigen Holzschnitten. Ohne zahlreiche Stifter hätte die Stadtbibliothek nie solche Schätze erhalten, darunter Apotheker August Clessin, der 1868 1000 Gulden zur Gründung stiftete, Altbürgermeister Anton Gohm (1878–1955), der die Tschavollsche Bibliothek mit 3800 Büchern stiftete, ebenso wie Jurist Elmar Grabherr, der der Stadt 15.700 Bücher vermachte. Bücher hatten einst einen viel höheren Wert: “500 Schafe oder 700 Ziegen für eine Gutenberg-Bibel”, wusste Gerold.


Weiter ging es zum Sparkassenplatz, wo nach einer Schenkung von Dr. Josef Häusle 1923 das erste Altersheim der Stadt Feldkirch entstand. An der siebten Station, dem Dom, wurde der Blick auf den Marienaltar, die Monstranz und schließlich den Annenaltar gerichtet. Das bedeutende Werk von Wolf Huber mit der Beweinung Christi ist ein Kunstschatz von Weltrang. Die St.-Anna-Bruderschaft, welche das Kunstwerk in Auftrag gab, war auch in der Sozialfürsorge und Krankenpflege aktiv.


Zahlreiche Teilnehmer

Abgerundet wurde die Führung im Haus am Katzenturm, wo Jutta Gnaiger-Rathmanner, die das Haus für Umweltverbände gestiftet hat, über die Impulse Stiftung informierte. Gerold gab zudem einen Überblick über Privatstiftungen und gemeinnützige Stiftungen.


Die Führung „Feldkirch – die Stadt der Stifterinnen und Stifter“ wird am Mittwoch, den 12. Mai 2027 nochmals angeboten.

(DANKE an Henning Heilmann, freier VN Journalist für Text und Fotos,  Oktober 2026)


Hier der Link zum Originalbericht auf VOL.at