Unsere Reisegruppe vor dem Hotel Alte Post in Bonaduz mit unserem immer gut gelaunten  Guide Orlando Fetz vor der Heimreise nach Feldkirch.

Von der alten Kirche ins Bergdorf

Eine Exkursion in die Bündner Bergwelt

Beim abwechslungsreichen Tagesausflug am 3. September 2026 waren 24 Teilnehmer dabei, um dem engagierten „Guide“ Orlando Fetz in die Bündner Bergwelt zu folgen. Mit viel Charme, profundem Wissen und einer gehörigen Portion Humor begleitete er die Gruppe durch einen Tag, an dem Kultur, Geschichte und Natur auf eindrucksvolle Weise miteinander verbunden wurden. Die Reise führte von der altehrwürdigen Kirche Sogn Gion bei Domat/Ems bis ins Bergdorf Feldis, wo historische Ereignisse, die wechselvolle Sprachgeschichte und das heutige Leben in einem Bündner Bergdorf im Mittelpunkt standen.

 


Text und Fotos Helmut Köck, September 2026

Unter der kompetenten Führung des früheren kantonalen Denkmalpflegers Hans Rutishauser erhielten die Teilnehmer einen faszinierenden Einblick in die Bau- und Kunstgeschichte der Kirche. Doch nicht nur das Gotteshaus selbst beeindruckte: Von der erhöhten Lage eröffnete sich auch ein spektakulärer Blick über das Rheintal und die umliegende Bündner Bergwelt.

Nach einer angenehmen Fahrt mit dem Bus von Sunshine Tours von Feldkirch in Richtung Chur wurde im Restaurant Golfclub Domat/Ems der traditionelle Zwischenstopp eingelegt. Unser Guide Orlando Fetz wartete bereits vor Ort und lud die Teilnehmer zum traditionellen  Kaffee und Gipfeli.  

Das Rautengewölbe von Sogn Gion aus dem frühen 16. Jahrhundert beeindruckt durch seine kunstvoll gekreuzten Rippen, die an der Decke ein regelmäßiges Netz aus Rauten bilden. Es ist ein typisches Gestaltungselement der Spätgotik und wurde wahrscheinlich nach Plänen des bedeutenden spätgotischen Baumeisters Andreas Bühler gebaut.

 

Weiter ging es zur Luftseilbahn Rhäzüns–Feldis. Sie verbindet das hoch gelegene Dorf direkt mit Rhäzüns im Rheintal und ist nicht nur touristisch wichtig, sondern dient auch dem öffentlichen Verkehr. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war das Dorf verkehrsmäßig stark abgeschieden. Die Feldiser waren ursprünglich eher nach Domat/Ems und ins Churer Rheintal orientiert. Sie wurde 1958 eröffnet und 2006 nach 48 Betriebsjahren ersetzt.

Die Inschrift am Schulhaus ist Sutselvisch, also jene rätoromanische Sprachvariante, die früher in Feldis/Veulden verbreitet war. „Art e scienzia e beinstar, tut am Deus sto sefundar.“ Und heißt sinngemäß auf Deutsch „Kunst, Wissenschaft und Wohlergehen – alles muss auf Gott gegründet sein.“

Blick auf Feldis auf rund 1.470m mit ca.130 Einwohnern. Feldis wird bereits gegen Ende des 13. Jahrhunderts urkundlich erwähnt. 1583 nahm das Dorf die Reformation an. Ein einschneidendes Ereignis war der Dorfbrand vom 16. März 1774, bei dem fast der gesamte Ort zerstört wurde.1880 sprachen noch rund 95 % der Bevölkerung Rätoromanisch, und zwar Sutselvisch. Selbst bis in die 1970er-Jahre hatte Feldis noch eine romanischsprachige Mehrheit. Heute wird überwiegend Deutsch gesprochen.

Start in Feldkirch – Kaffeepause im Golfclub

Pünktlich um 7:30 Uhr startete der Bus von Sunshine Tours in Feldkirch in Richtung Chur. Reisebegleiter Christoph Volaucnik versorgte die Teilnehmer bereits während der Fahrt mit interessanten Informationen und wies auf Wissenswertes links und rechts der Strecke hin.

Nach einer angenehmen Fahrt wurde im Restaurant Golfclub Domat/Ems der traditionelle Zwischenstopp eingelegt. Bei Kaffee und Gipfeli konnte man sich stärken, bevor Orlando Fetz, der bereits vor Ort auf die Gruppe wartete, die Teilnehmer herzlich begrüßte und das abwechslungsreiche Tagesprogramm vorstellte. Erster Programmpunkt war die Besichtigung der altehrwürdigen Kirche Sogn Gion (St. Johann) bei Domat/Ems.

Sogn Gion – mächtige barocke Baubegeisterung

Unter der kompetenten Führung des früheren kantonalen Denkmalpflegers Dr. Hans Rutishauser erhielten die Teilnehmer einen faszinierenden Einblick in die Bau- und Kunstgeschichte der Kirche. Doch nicht nur das Gotteshaus selbst beeindruckte: Von der erhöhten Lage eröffnete sich auch ein spektakulärer Blick über das Rheintal und die umliegende Bündner Bergwelt.

Hans Rutishauser verstand es ausgezeichnet, historische Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln. Seine fesselnden Erläuterungen zur Bündner Kunstgeschichte machten deutlich, wie eng Architektur, Religion, gesellschaftliche Entwicklung und die besondere Kulturlandschaft Graubündens miteinander verbunden sind.

Die heutige Kirche geht auf eine lange Baugeschichte zurück und erhielt ihr prägendes Erscheinungsbild insbesondere im 18. Jahrhundert, als die barocke Bau- und Ausstattungslust auch in den Bündner Dörfern ihren Niederschlag fand. Besonders eindrucksvoll ist das Rauten Gewölbe, dessen geometrische Struktur dem Kirchenraum eine besondere Wirkung verleiht.

Auch die Ausstattung des Innenraums zeugt vom hohen künstlerischen Anspruch jener Zeit. Altäre, Gemälde, Skulpturen und weitere Ausstattungsstücke fügen sich zu einem eindrucksvollen barocken Gesamtkunstwerk zusammen. Dabei lohnt sich der genaue Blick auf die zahlreichen Details, in denen sich Frömmigkeit und Kunstverständnis vergangener Jahrhunderte widerspiegeln.

Zur Anlage gehört auch eine Kapelle mit Beinhaus, die an einen heute weitgehend verschwundenen Umgang mit Tod und Erinnerung erinnert. Solche Beinhäuser waren in früheren Jahrhunderten wichtige Bestandteile von Kirchenanlagen: Die Gebeine Verstorbener, deren Gräber nach Ablauf der Belegungszeit aufgelassen wurden, fanden hier eine letzte Ruhestätte.

Nach diesem ebenso informativen wie eindrucksvollen Auftakt war klar: Dieser Tag würde noch viele Geschichten aus der Bündner Vergangenheit bereithalten.

Mittagessen im Restaurant Alte Post

Nach so vielen kulturellen Eindrücken und spannenden Einblicken in die Bau- und Kunstgeschichte war eine Stärkung willkommen. Im Hotel Alte Post in Bonaduz erwartete die Gruppe ein feines Mittagessen mit buntem Salatteller, Risotto mit Pilzen und Tiramisu.

In gemütlicher Atmosphäre blieb Zeit für Gespräche und den Austausch über die bisherigen Eindrücke, bevor die Reise zur nächsten Station weiterging – einem geschichtsträchtigen Bergdorf, in dem die Vergangenheit bis heute besonders spürbar ist.

Mit der Seilbahn nach Feldis

Von Bonaduz ging es zunächst zurück nach Rhäzüns. Dort bestieg die Gruppe die Seilbahn nach Feldis, das auf einer Terrasse am Hang der Stätzerhornkette liegt. Mit einer Höhenlage von rund 1.463 Metern ist Feldis der nördlichste Ort der Domleschger Bergdörfer. Die Lage eröffnet einen beeindruckenden Ausblick auf die Bündner Bergwelt und macht den Ort zu einem besonderen Aussichtspunkt.

Für den rund eineinhalbstündigen historischen Dorfrundgang konnte mit Andrea Raguth Tscharren ein besonders authentischer Begleiter gewonnen werden. Er ist in Feldis aufgewachsen und führte später sogar ein Hotel im Dorf. Entsprechend persönlich und lebendig waren seine Erzählungen über das Leben in Feldis und die wechselvolle Geschichte des Ortes.

Der Rundgang begann beim ehemaligen Schulhaus. Von hier aus erzählte Andrea Raguth Tscharren von Ereignissen, die das Dorf tief geprägt haben – von der verheerenden Feuersbrunst von 1774, vom Durchzug der Franzosen und von den schweren Zeiten während der Rinderpest.

Feldis – zwischen rätoromanischer Tradition und deutscher Gegenwart

Feldis, rätoromanisch Veulden, blickt auf eine lange Geschichte als Bergsiedlung zurück. Über Jahrhunderte war das Dorf Teil der rätoromanisch geprägten Kulturlandschaft Graubündens. Gesprochen wurde hier die rätoromanische Sprachvariante Sutselvisch, die in verschiedenen Dörfern des Domleschg und der näheren Umgebung verbreitet war.

Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts veränderte sich die Sprachlandschaft. Das Deutsche gewann zunehmend an Bedeutung und verdrängte das Rätoromanische im Alltag immer stärker. Heute ist Feldis überwiegend deutschsprachig. Spuren der rätoromanischen Vergangenheit sind jedoch bis heute sichtbar – nicht zuletzt in Orts- und Flurnamen sowie in historischen Inschriften.

Eine besonders schöne Erinnerung an diese Sprach- und Bildungsgeschichte findet sich am ehemaligen Schulhaus. Dort steht die Inschrift:
„Art e scienzia e beinstar, tut am Deus sto sefundar.

Sinngemäß bedeutet dies:
„Kunst, Wissen und Wohlergehen – alles soll auf Gott gegründet sein.“

Die Inschrift passt in besonderer Weise zu einem Schulhaus. „Art“ steht für Kunst beziehungsweise Fertigkeit, „scienzia“ für Wissen und Wissenschaft und „beinstar“ für Wohlergehen. Bildung, persönliches Wohlergehen und der Glaube werden hier miteinander verbunden.

Bemerkenswert ist auch die Jahreszahl 1935, die über den Fenstern des Schulhauses angebracht ist. Sie erinnert an die Zeit, in der das neue Schulhaus errichtet wurde, weil das bisherige Gebäude für die wachsende Zahl der Kinder nicht mehr ausreichte.

Doch auch die jüngere Geschichte Feldis wurde beim Rundgang lebendig. Besonders einschneidend war die Feuersbrunst von 1774, bei den großen Teilen des Dorfes zerstört wurden. Solche Dorfbrände waren für die dicht bebauten Bergsiedlungen eine existenzielle Bedrohung. Häuser, Stallungen und Vorräte konnten innerhalb kürzester Zeit den Flammen zum Opfer fallen. Der Wiederaufbau prägte in der Folge das Ortsbild und das Leben der Dorfgemeinschaft über Jahre hinweg.

Auch politische und wirtschaftliche Umbrüche gingen an Feldis nicht spurlos vorbei. Der Durchzug fremder Truppen, Krankheiten und Seuchen sowie die schwierigen Lebensbedingungen einer Bergbevölkerung gehörten über Jahrhunderte zum Alltag. Umso bemerkenswerter ist, wie sich Feldis seine besondere Identität bewahren konnte.

Heute präsentiert sich das Dorf als lebenswerter Bergort, der von Landwirtschaft, Tourismus und seiner landschaftlich reizvollen Lage geprägt ist. Nach wie vor ist es allerdings eine Herausforderung, dauerhaft genügend junge Familien im Dorf zu halten und die notwendige Infrastruktur zu sichern. So müssen die Kinder – obwohl inzwischen wieder sechs junge Familien in Feldis wohnen – für den Schulbesuch mit dem Bus in die umliegenden Gemeinden fahren.

Gerade diese Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart machte den Rundgang besonders interessant: Feldis ist kein Freilichtmuseum, sondern ein lebendiger Ort, in dem sich die Spuren der Geschichte mit den Herausforderungen des heutigen Berglebens verbinden.

Kaffee und Drinks im Hotel Alte Post

Nach dem historischen Rundgang ging es wieder zurück ins Tal. Im traditionsreichen Hotel Alte Post fand der ereignisreiche Tag bei Kaffee und erfrischenden Getränken seinen gemütlichen Ausklang.

Dabei wurden die zahlreichen Eindrücke des Tages noch einmal lebhaft ausgetauscht. Die Teilnehmer hatten an diesem Tag nicht nur beeindruckende Kirchenkunst kennengelernt, sondern auch viel über die Geschichte Graubündens, die Entwicklung der rätoromanischen Sprache und das Leben in einem Bergdorf erfahren.

Am späten Nachmittag hieß es schließlich Abschied nehmen. Mit vielen neuen Eindrücken und Geschichten im Gepäck ging es wieder zurück nach Feldkirch.

Fazit

Der Tagesausflug war nicht nur hervorragend organisiert, sondern wurde vor allem durch die lebendige Vermittlung von Geschichte und Kultur zu einem besonderen Erlebnis. Orlando Fetz überzeugte als engagierter Reiseleiter mit Fachwissen, Charme und Humor. Dr. Hans Rutishauser eröffnete der Gruppe einen faszinierenden Blick auf die Bündner Bau- und Kunstgeschichte, während Andrea Raguth Tscharren die Geschichte von Feldis mit persönlichen Erinnerungen und authentischen Geschichten lebendig werden ließ.

Ein herzliches Dankeschön gilt unserem Reisebegleiter Christoph Volaucnik sowie allen Beteiligten, die zu diesem gelungenen und abwechslungsreichen Ausflug beigetragen haben.