Den Auftakt bildete die Besichtigung der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landeck. Albert Ruetz führte die Gruppe durch das beeindruckende Gotteshaus und erläuterte dessen wechselvolle Baugeschichte.
Oberländer Schätze – Landeck, Altfinstermünz und Grins
Am Samstag, dem 20. Juni 2026, machten sich über 30 gut gelaunte Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Weg zu einer spannenden Exkursion ins Tiroler Oberland. Ziel waren die kulturellen und historischen Schätze von Landeck, Altfinstermünz und Grins. Begleitet wurde die Gruppe von Obmann Albert Ruetz und Geschäftsführer Christoph Volaucnik, die bereits während der Busfahrt Wissenswertes über die Geschichte des Arlbergpasses und die Entwicklung des Tiroler Oberlandes vermittelten.
Text und Fotos Helmut Köck, Juni 2026
Nach dem Museumsbesuch führte die Exkursion weiter nach Altfinstermünz, einem der eindrucksvollsten historischen Grenzübergänge des Alpenraums. Tief unten in der Innschlucht gelegen, kontrollierte dieser strategisch wichtige Punkt über Jahrhunderte den Verkehr auf der Via Claudia Augusta zwischen Tirol und Graubünden.
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landeck
Den Auftakt bildete die Besichtigung der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landeck. Albert Ruetz führte die Gruppe durch das beeindruckende Gotteshaus und erläuterte dessen wechselvolle Baugeschichte. Die heutige Kirche wurde 1471 errichtet und in den folgenden Jahrhunderten mehrfach erweitert, renoviert und restauriert. Finanziert wurde der Bau unter anderem durch Einnahmen aus Wegzöllen entlang wichtiger Handelsrouten.
Als Baumaterial dienten vor allem lokal gewonnener Kalkstein und der hochwertige Grinner Tuff. Im Zuge der Regotisierung im 19. Jahrhundert erhielt der Innenraum sein heutiges Erscheinungsbild mit den kunstvoll gestalteten Gewölberippen. Besonders sehenswert sind der gotische Schrofensteiner Altar im Seitenschiff, der spätgotische achteckige Taufstein sowie die historischen Grabplatten der Familie Schrofenstein unter der Empore. Darunter befindet sich auch die Gruftplatte des 1497 verstorbenen Oswald von Schrofenstein.
Geschichte erleben im Schloss Landeck
Nur wenige Gehminuten entfernt erwartete die Gruppe das Museum Galerie Schloss Landeck. Museumsmitarbeiterin Tanja Wieser vermittelte auf eindrucksvolle Weise die Geschichte der Region und führte durch die abwechslungsreich gestalteten Ausstellungsräume.
Besonderes Interesse weckte die Ausstellung „Der Weg der Schwabenkinder“, die ein bedeutendes Kapitel der Sozialgeschichte des Alpenraums beleuchtet. Über Jahrhunderte zogen Kinder aus Tirol, Vorarlberg, Graubünden und anderen alpinen Regionen saisonal nach Oberschwaben, um dort als Arbeitskräfte ihren Lebensunterhalt mitzuverdienen. Die Ausstellung macht diese oftmals beschwerlichen Wege und Schicksale eindrucksvoll nachvollziehbar.
Ebenso beeindruckend war die Dauerausstellung „Bleiben oder Gehen“, die anhand persönlicher Lebensgeschichten die Themen Migration, Heimat und Fremde behandelt. Sie zeigt, wie eng das Tiroler Oberland seit Jahrhunderten mit Wanderungsbewegungen und wirtschaftlichen Veränderungen verbunden ist.
Jakob Prandtauer – Der große Barockbaumeister
Ein weiterer Höhepunkt war die Ausstellung über Jakob Prandtauer (1660–1726), der im nahegelegenen Stanz geboren wurde und zu den bedeutendsten Architekten des österreichischen Barock zählt.
Zu seinen bekanntesten Werken gehören das Stift Melk, das Augustiner-Chorherrenstift St. Florian, das Stift Dürnstein sowie zahlreiche Schlösser, Klöster und Sakralbauten. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, dass Prandtauer weit mehr als ein Klosterarchitekt war: Sein Werk umfasst Brücken, Kasernen, Herrschaftsbauten und zahlreiche weitere Bauaufgaben, die das gesamte Spektrum barocker Architektur widerspiegeln.
Altfinstermünz – Grenzstation und Zollstätte
Nach dem Museumsbesuch führte die Exkursion weiter nach Altfinstermünz, einem der eindrucksvollsten historischen Grenzübergänge des Alpenraums. Tief unten in der Innschlucht gelegen, kontrollierte dieser strategisch wichtige Punkt über Jahrhunderte den Verkehr auf der Via Claudia Augusta zwischen Tirol und Graubünden.
Bereits im Mittelalter entwickelte sich Altfinstermünz zu einer bedeutenden Zoll- und Kontrollstation. Händler, Fuhrleute und Reisende mussten hier Waren anmelden und entsprechende Abgaben entrichten. Die Zolleinnahmen stellten eine wichtige Einnahmequelle der Landesherren dar und dienten zugleich der Überwachung des Handelsverkehrs entlang der wichtigen Nord-Süd-Verbindung über den Reschenpass. Die enge Schlucht bot ideale Voraussetzungen, um den Warenverkehr effektiv zu kontrollieren und Grenzschutz auszuüben.
Bevor die Führung begann, stärkten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Burgschenke. Anschließend vermittelten zwei Mitarbeiter des Vereins Altfinstermünz in einem informativen Rundgang die Geschichte der Anlage. Nach einem kurzen Film über das mittelalterliche Zollwesen wurden die restaurierten Gebäude, Wehranlagen und die Kapelle besichtigt. Die aufwendig revitalisierte Anlage lässt die Geschichte dieses außergewöhnlichen Ortes lebendig werden.
Grins – Heimatdorf von Albert Ruetz
Den Abschluss der Exkursion bildete ein Besuch in Grins, dem Heimatort von Obmann Albert Ruetz. Hier wuchs er auf; bereits sein Vater und Großvater waren als Mesner in der Pfarrkirche tätig. Entsprechend persönlich und lebendig gestaltete sich seine Führung, bei der kunsthistorische Erläuterungen mit zahlreichen Erinnerungen aus der eigenen Jugend verbunden wurden.
Die dem heiligen Nikolaus geweihte Pfarrkirche wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet. Der Turm stammt noch aus gotischer Zeit. Das einschiffige spätbarocke Gotteshaus beeindruckt vor allem durch die prachtvollen Deckenfresken von Matthäus Günther, einem der bedeutendsten Freskenmaler des süddeutschen Barock. Die klassizistischen Altäre, die kunstvoll gestaltete Rokokokanzel mit den Symbolen von Glaube, Liebe und Hoffnung sowie die moderne Rieger-Orgel aus Vorarlberg vervollständigen das harmonische Gesamtbild.
Ein besonderes Erlebnis war schließlich die Fahrt über die historische Steinbogenbrücke von Grins. Mit großer Routine manövrierte Busfahrer Bernhard von Sunshine Tours den auffallend gelben „Ösi-Borussen 1909“-Fanbus über die nur 12,6 Meter lange Brücke, die nach dem Dorfbrand von 1945 originalgetreu wieder aufgebaut worden war.
Ein Tag voller Geschichte und persönlicher Begegnungen
Nach zahlreichen neuen Eindrücken trat die Gruppe die Heimreise an. Die Exkursion bot einen faszinierenden Einblick in die Geschichte, Kunst und Kultur des Tiroler Oberlandes. Albert Ruetz verstand es einmal mehr, sein umfangreiches kunsthistorisches Wissen mit persönlichen Erinnerungen zu verbinden und die besuchten Orte lebendig werden zu lassen. Ergänzt durch die historischen Erläuterungen von Christoph Volaucnik wurde die Fahrt zu einem ebenso informativen wie abwechslungsreichen Erlebnis.






























































































