Der Feldkircher Freiheitsbrief – „Magna Charta“ der Stadtgeschichte

Im Zentrum der Ausstellung befindet sich – in einem klimatisierten Raum – das Original des Freiheitsbriefes. Stadtarchivarin Jenny Moritz präsentierte die kostbare Urkunde in einer speziell angefertigten Sicherheitsvitrine.

Am 20. Mai 2026 fand im Palais Liechtenstein ein vielbeachteter Vortrag des Historikers Christoph Volaucnik statt. Gemeinsam mit der Rheticus-Gesellschaft widmete sich das Palais Liechtenstein der Entstehung und Geschichte des Feldkircher Freiheitsbriefes, einer der bedeutendsten Urkunden der Stadtgeschichte.

Bereits am Vorabend war im Palais eine Ausstellung zum Thema eröffnet worden. Gestaltet wurde sie von einer jungen Autorin, der bildenden Künstlerin Christine Katscher sowie dem Druckwerk, das eigens Stoffsäcke mit Begriffen aus dem Freiheitsbrief bedruckte. Im Zentrum der Ausstellung befindet sich – in einem klimatisierten Raum – das Original des Freiheitsbriefes. Stadtarchivarin Jenny Moritz präsentierte die kostbare Urkunde in einer speziell angefertigten Sicherheitsvitrine.

In seinem Vortrag spannte Christoph Volaucnik zunächst den historischen Bogen zum kriegerischen und politisch bewegten 14. Jahrhundert in der Region. Der Machtverlust der Grafen von Montfort und der gleichzeitige Aufstieg der Habsburger führten auch in Feldkirch zu einer Zeit großer Unsicherheit und politischer Veränderungen.


Im zweiten Teil widmete sich der Referent der Vorgeschichte des Freiheitsbriefes. Von den sieben Kindern Graf Rudolfs IV. starben drei Söhne früh, weshalb Rudolf V., der ursprünglich als Kleriker an der Kathedrale von Chur lebte, mit einem besonderen päpstlichen Dispens in den Laienstand zurückkehren musste. Gleichzeitig erhielten die drei Töchter umfangreiche Besitzungen als Heiratsgut zugesprochen. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Rudolf V. im Jahr 1375 nicht nur die Herrschaft Feldkirch, sondern auch erhebliche Schulden. Schon wenige Wochen nach seinem Amtsantritt begann Rudolf V. mit Überlegungen zum Verkauf der Stadt und Herrschaft Feldkirch. Zunächst zog er seinen Neffen, Graf Hartmann von Sargans zu Vaduz, als Käufer in Betracht, entschied sich schließlich jedoch für erfolgreiche Verkaufsverhandlungen mit den Habsburgern.


Als Ausgleich für den Übergang an die neuen Landesherren stellte Rudolf V. seinen Bürgern den sogenannten Freiheitsbrief aus. Christoph Volaucnik erläuterte die einzelnen Bestimmungen der Urkunde und verglich sie mit ähnlichen Regelungen in anderen Vorarlberger Regionen wie Bregenz oder dem Bregenzerwald. Dabei ging er auch auf sprachliche und rechtliche Besonderheiten des Textes ein. Ein weiteres Kapitel widmete der Vortrag den sogenannten Signatarmächten, die den Vertrag mit ihren Siegeln bestätigten. Besonders enge rechtliche Beziehungen bestanden dabei zur Stadt Lindau. Ausführlich schilderte Volaucnik zudem die Biografie von Graf Hermann von Werdenberg-Sargans, dem Lieblingsneffen Rudolfs V., der seinem Onkel stets loyal verbunden blieb. Als Dank erhielt er die Herrschaft Jagdberg als Erbe zugesprochen.


Der Feldkircher Freiheitsbrief zeigt eindrucksvoll die besondere Stellung Feldkirchs innerhalb Vorarlbergs. Die im Freiheitsbrief festgeschriebenen Rechte und Sonderstellungen machten die Stadt über Jahrhunderte hinweg zu einem politischen und rechtlichen Vorbild für viele andere Städte und Regionen des Landes.

(Text Christoph Volaucnik, Mai 2026)