Kerker, Ketten und ein Hauch von Freiheit

Ein Super-Team: Vereinobmann Martin Caldonazzi, der die Ausstellung nicht nur konzipierte, sondern gemeinsam mit Philosoph Hans Gruber durch den Abend führte.

Über 30 Interessierte konnten am 20. Mai 2026 im Schattenburgmuseum von Obmann Martin Caldonazzi zum Besuch der Sonderausstellung begrüßt werden.

Ein "Muss" zum Besuch dieser tollen Ausstellung.

Anlässlich „650 Jahre Feldkircher Freiheitsbrief“ zeigt das Schattenburgmuseum noch bis zum 27. Februar 2028 eine sehenswerte Sonderausstellung zum Thema Freiheit und Unfreiheit.


Über weite Teile der Geschichte blieb die Unfreiheit lebensbestimmend für die Menschen. Kerker, Ketten, Mauern und gesellschaftliche Barrieren prägten das Dasein. Erst im Spätmittelalter gelang es der Bürgerschaft nach und nach, weiterreichende Rechte zu erkämpfen. Diese durch Privilegien gewährten Rechte wurden damals als „Freiheiten“ bezeichnet. In einem langwierigen historischen Prozess entwickelten sich daraus schließlich Freiheitsrechte mit universellem Anspruch – ein tragender Grundpfeiler der Moderne.


Martin Caldonazzi, der die Ausstellung nicht nur konzipierte, sondern gemeinsam mit Hans Gruber durch den Abend führte, erinnerte an den Ausspruch des Mystikers Meister Eckhart: „Freiheit besteht darin, den Tempel der Seele zu leeren.“ Eckhart wurde um 1260 geboren – jenem Zeitraum also, in dem auch der Bau der Schattenburg begann.


Freiheit letztlich die Abwesenheit von Unfreiheit
Der ehemalige Stadtbibliothekar und Philosoph Hans Gruber spannte in seinem Vortrag einen weiten Bogen durch die Ideengeschichte der Freiheit. Mit großem Engagement zitierte er Denker wie Arthur Schopenhauer, der die Unfreiheit als grundlegenden Zustand des Menschen betrachtete. So wie Glück die Abwesenheit von Unglück und Gesundheit die Abwesenheit von Krankheit sei, sei Freiheit letztlich die Abwesenheit von Unfreiheit. „Real sind nur die Ketten“, lautete eine seiner zugespitzten Formulierungen.

Auch moderne Denker kamen zur Sprache. Der kanadische Philosoph Charles Taylor sieht Freiheit nicht bloß als grenzenlose Wahlmöglichkeit, sondern als Fähigkeit des Menschen, seinem Leben Sinn und Orientierung zu geben. Wirkliche Freiheit entstehe dort, wo der Mensch bewusst Verantwortung übernehme und sich nicht allein von Konsum, Gewohnheiten oder gesellschaftlichen Zwängen treiben lasse.


Der deutsche Philosoph Christoph Menke wiederum versteht Freiheit weniger als einen festen Zustand denn als schöpferische Kraft des Menschen, bestehende Ordnungen zu überschreiten und Neues hervorzubringen. Freiheit bedeute demnach nicht nur Befreiung von äußeren Zwängen, sondern auch die Fähigkeit, sich selbst immer wieder neu zu entwerfen.


Niklas Luhmann betrachtete das Leben hingegen als ein ständiges Hinauszögern der Unordnung, Ordnung als reduzierte Komplexität. Gerade die technischen Möglichkeiten der Moderne hätten zwar ein „Zeitalter der Freiheit“ geschaffen, gleichzeitig führe die Fülle an Möglichkeiten aber oft zu Überforderung und Orientierungslosigkeit. Die Frage, ob wir tatsächlich selbstbestimmt leben oder nur zwischen vorgegebenen Optionen wählen, zog sich deshalb wie ein roter Faden durch den Abend.


Die Sonderausstellung macht eindrucksvoll sichtbar, dass Freiheit niemals selbstverständlich war und bis heute neu errungen, verteidigt und reflektiert werden muss. Zwischen Kerker, Ketten und Freiheitsrechten eröffnet sie einen faszinierenden Blick auf eines der zentralen Themen der Menschheitsgeschichte – ein Muss für alle kultur- und geschichtsinteressierten BesucherInnen des Schattenburgmuseums.

 

(Text und Fotos Helmut Köck, , Mai 2026)

Eine mit KI-generierte Videoszene zeigt eindrücklich das „Das Angstloch": Das „Angstloch" war in früheren Jahrhunderten der einzige Zugang zum Burgverlies, in dem bis 1812 die auf der Schattenburg residierenden Vögte Gefangene (auch Frauen) in Dunkelhaft hielten.