48 Jahre Rheticus-Gesellschaft

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Burg, Barock und Bauernhöfe

Die Pfarrkirche St. Katharina ist zweifellos eine der prächtigsten Barockkirchen Oberschwabens. Sie wurde von 1733 bis 1736 anstelle einer kleineren Säulenbasilika erbaut.

 

Bei der Tagesfahrt in unsere Nachbarregion Oberschwaben erlebten 15 Rheticus-Mitglieder zahlreiche kulturelle Entdeckungen, welche uns die versierte Reiseführerin Karin Fetz näherbringen konnte. 

 

Erlebniswelt Mittelalter

Vom Parkplatz ging es nach einem kleinen Aufstieg zum Schloss Waldburg, einer der geschichtsträchtigsten Burgen Deutschlands. Im fünfgeschossigen Wohnturm besuchten wir das Burgmuseum und erlebten eine Zeitreise durch beinahe 1000 Jahre deutsche Geschichte. Wer im Mittelalter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches werden wollte, brauchte die Reichskleinodien: Reichsapfel, Reichsschwert und die „heilige Lanze“. Vor 800 Jahren wurde der Kronschatz des Heiligen Römischen Reiches von Eberhard von Tanne Waldburg für mindestens 23 Jahre sicher auf der Waldburg verwahrt.

 

Amerikakarte

Beim Durchgang durch die vielen Räume konnten wird ein Faksimile der ersten urkundlichen Erwähnung von Amerika besichtigen: Die Martin Waldseemüller Karte von 1507. Das Original hängt heute in der Kongressbibliothek von Washington.

 

Trigonometrischer Punkt

Nach dem Besuch des schönen Rittersaals, der Waffenkammer, dem Jagdzimmer, der Kapelle und dem Burgschatz mit den Insignien stiegen wir auf den höchsten Punkt der Waldburg, von wo 1818 das Königreich Württemberg vermessen wurde. Deshalb wurde auf dem Dach eine Arbeitsplattform angebracht, die heute Altane oder auch Belvedere genannt wird. Am höchsten Punkt Oberschwabens gab es trotz des etwas trüben Wetters einen Traumblick zum Bodensee, die Schweizer Alpen bis hin zur Zugspitze.

 

Barockes Kleinod

Nach dem feinen Mittagessen im Hotel KroneWaldburg ging es weiter in das 13 km entfernte Wolfegg. Schon von weitem war das gleichnamige Renaissance-Schloss zu sehen, welches wir aber nicht besichtigten konnten, da es heute der Wohnsitz Familie von Waldburg ist. Dafür entschädigt ein Besuch der Pfarrkirche St. Katharina. Karin Fetz verstand es wieder hervorragend, uns in die Geschichte des Barocks einzuführen. Die Pfarrkirche St. Katharina ist zweifellos eine der prächtigsten Barockkirchen Oberschwabens. Sie wurde von 1733 bis 1736 anstelle einer kleineren Säulenbasilika erbaut. Der hohe, über einem Grundriss von 21 x 42 Metern errichtete Kirchenbau ist ein reifes Werk des Füssener Baumeisters Johann Georg Fischer. Erbaut nach dem sogenannten Vorarlberger Münsterschema besitzt die Kirche ein breites Schiff mit Wandpfeilern und einen Emporenumgang sowie einen geräumigen Chorraum. Das große, hallenartige Schiff überwölbt eine riesige ovale Kuppel, auf der die Gründungsgeschichte des Chorherrenstiftes in einem großen Deckenfresko dargestellt ist.

 

Beeindruckende Fresken

Die Kuppel verleiht der ganzen Kirche eine besondere, zentralräumliche Wirkung. Große ovale und halbkreisförmige Fenster geben dem Innenraum die für Barockkirchen typische Helligkeit. Auf den ersten Blick nimmt man beim Betreten der Kirche den in rosa, ocker und einem kräftigen türkisgrün gehaltenen, spätbarocken Stuck des Wessobrunner Stukkateurs Johannes Schütz wahr. Zusammen mit den großflächigen Fresken des Wangener Meisters Franz Josef Spiegler gibt er dem Innenraum sein einzigartiges Gepräge. Die Fresken in der Chorkuppel und über den Seitenaltären stellen das Martyrium der Kirchenpatronin, der hl. Katharina von Alexandrien dar, während das große Deckenfresko über dem Schiff ein auffallend profanes Thema hat: Den Zweikampf des Antonio di Sanseverino gegen den Grafen Johannes von Sonnenberg aus dem Jahr 1487, den letzterer nach einem Gelübde gewann, im Falle des Sieges in Wolfegg ein „Klösterlein“ zu stiften.

 

Auch nach dem Erntedankfest durften wir den berühmten Wolfegger Früchteteppich vor dem Kreuzaltar sehen, der ausschließlich mit echten Früchten "gemalt" wurde.

 

Ein Museum das lebt

Nach soviel Kunst ging es zu Profanerem beim Besuch des nahegelegenen Bauernhaus-Museum Allgäu-Oberschwaben Wolfegg. Inmitten von Gärten, Weihern und Streuobstwiesen konnten wir auf den Spuren der Bauerfamilien, Dienstboten und Taglöhnern wandeln und das ländliche Leben der vergangenen drei Jahrhunderte nachvollziehen. Dabei gab es viel Wissens- und Staunenswertes zu erfahren über regionaltypische Bauernhäuser und die Menschen, die darin gewohnt und gearbeitet haben. Die über zwanzig historischen Wohn- und Wirtschaftsgebäude sind in eine sorgsam gepflegte, 15 ha große Kulturlandschaft eingebettet und luden uns zum individuellen Spaziergang ein, vorbei an Kühen, Hühnern, Enten und Gänse. Zum Abschluss gab es noch Kaffee und Kuchen im originalen Fischerhaus.

 

Herzlichen Dank ergeht an Karin Fetz für die Reiseleitung und den Führungen, dem umsichtigen Reisebegleiter Werner Gerold und dem Buslenker Josef von Bischof Reisen für die sichere Fahrt.

 

 (Bericht und Fotos Helmut Köck, Oktober 2022)