46 Jahre Rheticus-Gesellschaft

             Herzlich willkommen auf unserer Homepage! 

Von der Churer Altstadt zur barocken Pracht

Die Klosterkirche St. Martin ist von hohem kunsthistorischem Wert und ein Kulturgut nationaler Bedeutung. Es ist eine einmalige Architekturleistung der barocken Vorarlberger-Schule.

 

Einen geschichtsträchtigen Tag erlebten 38 Rheticus-Mitglieder bei der Tagesfahrt am 17. September nach Chur und Disentis.   

 

Reisebegleiter RG-Vorstandsmitglied Christoph Volaucnik gab bereits auf der Hinfahrt einen Überblick des Bistums Churs und über die Beziehungen zu Vorarlberg und insbesondere zu Feldkirch.

 

Domführung

Neben dem Kirchenportal wurden wir auf das die Kirche anstoßende Hummelberg’sche Benefiziatenhaus, das mit dem Feldkircher Stadtwappen und dem Wappen der Familie Hummelberg geschmückt ist, hingewiesen. Dann übernahm Orlando Fetz das „Kommando“. Mit seinem trockenen Bündner Humor konnte er den Teilnehmern vieles über Geschichte und Kultur vermitteln. In der Kirche erläuterte er viele Details, den prächtigen Hauptaltar, einen 1492 vom Ravensburger Bildschnitzer Jacob Russ geschaffenen spätgotischen Flügelaltar. In der Krypta des Doms erfuhren die Geschichtsinteressierten Details über das Leben, Wirken und Sterben des Heiligen Fidelis, dessen Körper in der Krypta beerdigt ist.

 

Altstadtführung

Auf dem Weg durch die Churer Altstadt bis zum Bahnhof, besuchten wir geschichtsträchtige Stätten, die Orlando Fetz detailliert erläuterte. Das „Bärenloch“ stand ebenso auf dem Programm wie das Geburtshaus von Angelika Kauffmann, sowie jener Platz, wo vormals das Gasthaus "Staubiges Hüttli" stand, welches 1639 zum Schauplatz des wohl bekanntesten Mordes in der Bündner Geschichte war. Im Anschluss folgte die imposante ca. einstündige Fahrt mit der Rhätischen Bahn von Chur nach Disentis. In der Casa Cruno war für unsere Gruppe reserviert. Einige ließen es sich nicht nehmen, das klassische Bündner Gericht „Capuns“ zu probieren.

 

Benediktinerabtei

Nach der gemeinsamen Mittagspause erwartete uns schon der freundliche Benediktiner Bruder Martin Hieronymi. Mit voller Begeisterung und großem Fachwissen erläuterte er uns viele interessante Details über die Ordensgemeinschaft, die Klostergeschichte der ältesten Benediktinerabtei der Schweiz, die hervorragend gelungene Renovierung und vieles mehr.

 

Gründung

Der Franke Sigisbert kam im Umfeld der iroschottischen Wandermönche rheinaufwärts und errichtete in der unbewohnten Gegend der Desertina eine Einsiedelei. Der einheimische Räter Placidus unterstützte ihn. Daraus entstand um das Jahr 700 das Kloster Disentis. Der gewaltsame Tod von Placidus wurde als Martyrium verstanden. Das Fest der Disentiser Gründungsheiligen Placidus und Sigisbert ist der 11. Juli.

 

Vorarlberger Barock 

Die Klosterkirche St. Martin ist von hohem kunsthistorischem Wert und ein Kulturgut nationaler Bedeutung. Es ist eine einmalige Architekturleistung der barocken Vorarlberger-Schule. Die barocke Klosteranlage wurde zwischen 1683 und 1704 errichtet. Als Architekt gilt Bruder Caspar Moosbrugger (1656–1721) aus Einsiedeln. 1712 wurde die Kirche geweiht. Nach den verheerenden Bränden von 1799 und 1846 wurde das Konventgebäude verändert und um ein Stockwerk erhöht. Im Mittealter war Disentis ein Passkloster mit drei Kirchen. Heute sind hiervon die sichtbaren Ausgrabungen im Innenhof, der Chor der Marienkirche sowie ausgestellte Funde im Klostermuseum erhalten, die wir noch besichtigen durften.

 

1.400 Jahre Kloster und Renovierung

Wie 1814 und 1914, beging das Kloster Disentis auch 2014 ein großes Fest. Die Feierlichkeiten standen unter dem Titel „Stabilitas in progressu“. Es standen damals diverse dringende Bautätigkeiten an: Sanierung der Klosterkirche, Neugestaltung Klosterplatz, Öffnung des Pfortenbereichs und Schaffung eines barrierefreien Zugangs zur Klosterkirche. Es war ein finanzieller Kraftakt mit 16,1 Mio. Franken an Kosten. Dank der großzügigen Unterstützung konnte die Kirche St. Martin am 11. November 2019 wiedereröffnet werden.

Heute leben 22 Pater und Brüder im Kloster, jeder von ihnen hat vielfältige Aufgaben, wie uns Martin erzählt. Im benediktinischen Leben findet sich die wichtigste Konstante im regelmäßigen Wechsel von Gebet, Lesung und Arbeit. Zahlreiche Geschäftsfelder sind vom Konvent zu bewerkstelligen:

Gymnasium & Internat Kloster Disentis

Hotel Kloster Disentis: Hotel, Restaurant, Küche, Bäckerei, Pfortenladen, Wäscherei und Schneiderei

Konvent: Mönchsgemeinschaft, Kranken- und Pflegestation

Dienstleistungen: Bauprojekte, Liegenschaftenunterhalt und -technik, Gärtnerei, Schreinerei, Informatik, Buchhaltung

Marketing und Kommunikation

Ganz wichtig für die ganze Region ist das Gymnasium. Rund 160 SchülerInnen werden unterrichtet. Rund ein Drittel davon lebt im Internat.

Mit einem Rundgang in der kulturhistorischen Ausstellung mit der Geschichte der Benediktinerabtei und sakraler Kunst, sowie einem stillen Gebet in der wunderbar renovierten Kirche wurde unser beeindruckender Besuch in Disentis beendet.


 

(Bericht und Fotos Helmut Köck, September 2022)  


Facebook Twitter