42 Jahre Rheticus-Gesellschaft

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Kulturfahrt Tessin

Fasziniert waren die Besucher in der Kirche Santa Maria al Castello in Mesocco von den wunderbaren Fresken aus dem 15. Jahrhundert, welche der Werkstatt der Seregnesi zugeschrieben werden.

 

Voll auf ihre Rechnung kamen die 30 Teilnehmer bei der Rheticus Exkursion am 7. September 2019 ins Tessin.

 

Reiseleiter Obmann Albert Ruetz verstand es wieder einmal, die Mitfahrenden mit seinem fulminanten Wissen zu begeistern. Ganz gleich, ob Geschichte, Kunstgeschichte, Politik oder Religion, er konnte besonders die Zusammenhänge für uns Laien verständlich vermitteln. Auch der Wettergott meinte es gnädig, zuhause war noch Regen, aber im Tessin war es trocken und später gab es sogar noch Sonnenschein.

 

Einzigartige Fresken

 

Zuerst ging es nach Graubünden, dem größten schweizerischen Kanton mit einer reich gegliederten Landschaft und Bevölkerung. Die romanische Bevölkerung hatte sich mit den Kelten zusammengetan und es entstanden viele romanische Dialekte. Nur wenig abseits der Hauptstraßen befinden sich wunderbare Zeugnisse einer lebendigen Kulturgeschichte dieses Landstriches.

 

Die erste Station was Mesocco. Ein kurzer Weg führte uns zu den  Ruinen des Castello auf 752 m ü. M. Es war einst eine der größten Burganlagen der Schweiz und bildete vom Anfang des 13. Jahrhunderts bis 1526 das herrschaftliche Zentrum des Tals mit der Vorburg im Nordosten, der Hauptburg auf dem Felsplateau, der Kernburg «Rocca» innerhalb der Hauptburg und der Kirche S. Carpoforo. Am Fuße der Burg besichtigten wir  die Kirche Santa Maria al Castello mit den wunderbaren Fresken aus dem 15. Jahrhundert, welche der Werkstatt der Seregnesi zugeschrieben werden. Auch hier war wieder ganz klar die Ausrichtung zum theozentrischen Denken dieser Zeit erkennbar, wo das  gesamte Heilsgeschehen im Jahreskreis eingebunden ist und auch die Zeugen, die Heiligen,  bildlich dargestellt wurden.

 

Kulturgut von nationaler Bedeutung

 

Weiter ging's nach Biasca, wo die Kirche San Pietro mit ungewöhnlicher Architektur und gut erhaltener Kunstwerke von der Romanik bis in den Barock faszinierte. Die  nächste Station war Giornico im Valle Leventina, wo wir die Kirche „San Nicola“ besuchten. Sie wurde im 12. Jahrhundert erbaut und steht inmitten eines Rebbergs. San Nicola gilt als eindrücklichstes Beispiel lombardischer Romanik in der Schweiz mit der eindrucksvollen Krypta und dem Hochchor. Sie ist Nikolaus von Myra geweiht. Nirgends lässt sich das Tessin mit seiner turbulenten Geschichte besser erfahren als in solch kleinen Dörfern. Unser nächstes Ziel war Bellinzona, der Hauptort des Kantons Tessin. Auf der Höhenburg „Castelgrande“,  die seit 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, genossen wir die traumhafte Aussicht und das Mittagessen.

 

Raue Landschaft

 

Anschließend ging es mit dem Bus weiter  ins Verzascatal, das oft als Herzstück oder auch das „steinerne Herz“ des Tessin bezeichnet wird. Die raue Landschaft liefert den Bewohnern seit jeher nur eine bescheidene Existenzgrundlage und viele zogen es vor, ihr Glück fern der Heimat zu suchen, sodass einzelne Dörfer nahezu entvölkert sind. Wir fuhren durch diese ausgeprägt alpine Landschaft, in der die Tessiner Steinhäuser den Blick auf sich ziehen. In der Kirche von Brione erfreuten wir uns an den hochgotischen Fresken aus dem 14. und 15. Jh, die dem Giotto-Schüler Giovanni Baronzino zugeschrieben werden. Weiter gings zum Talende nach Sonogno. Wir hatten Gelegenheit, mitten im Dorf ein altes Backhaus, sowie die wunderschön restaurierten Steinhäuser bei einem kleinen Spaziergang durch das Dorf kennen zu lernen und eine feine Kaffeepause war wieder einmal zu kurz.

 

Römerbrücke

 

Bei der Rückfahrt durfte ein Stopp in Lavertezzo bei der  abenteuerlich filigranen „Ponte dei Salti“  nicht fehlen. Diese auch als "Römerbrücke" bekannt, führt über den Fluss Verzasca. Nach der teilweisen Zerstörung im Jahre 1868 wurde sie 1960 neu aufgebaut. Einige waghalsige Sportler zeigten uns noch einen Kopfsprung in das „grüne Wasser“ der Verzasca.  Danach ging  die Fahrt zurück über den San Bernardino nach Feldkirch, wo wir wohlbehalten mit vielen Eindrücken um 21:00 Uhr ankamen.

 

So zeigte diese Exkursion in den Tessin, dass dieser Landstrich in unserem Nachbarland weit mehr bietet als nur die Kulisse auf der Fahrt in den Süden. Es ermöglichte, aus unserer Zeit hinein zu denken in die Vergangenheit und somit ein Stück jener Wurzeln zu finden, die uns wichtig erscheinen.

 

 

(Text und Fotos Helmut Köck, September 2019)


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