Erinnerungen an Josef Wichner

Dr. Detlev Gamon, Rheticus GF Dr. Gerhard Wanner und Gemeindearchivar Thomas Gamon aus Nenzing.

Den Bludenzer Volksschriftsteller Wichner wieder in einen größeren Kontext zu stellen, ist er doch schon ein wenig in Vergessenheit geraten, das war die Motivation einer gut besuchten Veranstaltung der Rheticus-Gesellschaft am 19. November 2016 im Pfarrzentrum Altenstadt.

 

GF Gerhard Wanner referierte zu Beginn über die gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten in Vorarlberg im 19. Jahrhundert und übergab dann das Wort an den in Bludenz aufgewachsenen Detlev Gamon. „Mich hat der Wichner Virus gepackt“, scherzte er. Es ist ihm ein großes Anliegen, dass der Volksschriftsteller nicht in Vergessenheit gerät, es ist zu wenig, dass in Bludenz nur die Wichnerstraße an ihn erinnert.

 

Das Leben Wichners
Die Zuhörer konnten beim Vortrag von Gamon den Lebensweg Wichners anhand von Bildern begleiten und in die Geschichte seines Lebens eintauchen. Wichner wurde am 23. Oktober 1852 in Bludenz in ärmlichen Verhältnissen geboren. Er verlor früh seine Eltern und wurde von den Basen Eva und Senza aufgezogen. In der Schule erkannten die Lehrer bald schon sein Talent zum Schreiben. Der damalige Hilfspfarrer Kobald drängte darauf, Wichner studieren zu lassen. Mit zwölf Jahren übersiedelte er ins „Studierstädtlein“ nach Feldkirch, um das Gymnasium zu absolvieren und studierte bis 1878 in Brixen und Innsbruck. Von 1878 bis 1880 war er sodann Lehrer am Gymnasium in Feldkirch und bekam anschließend im Gymnasium in Krems eine Professorenstelle, wo er 30 Jahre lang arbeitete. Aber auch „der Liebe wegen“ übersiedelte er nach Krems und heiratete Maria Mathiasch. Die Stadt an der Donau wurde seine zweite Heimat und 1908 trat er in den Ruhestand. Jetzt konnte er sich ganz seiner schriftstellerischen Arbeit widmen. Obwohl er mehr als 40 Jahre nicht in Bludenz gelebt hatte, sprach er in seinen Werken immer wieder von der Liebe zu seiner Heimatstadt. 1922 wurde er zum Ehrenbürger ernannt. Auch in Krems wurde Wichner geehrt – anlässlich seines 70. Geburtstages wurde seine Tragödie „Zwang“ in Krems uraufgeführt. Er starb am 14. Juni 1923 im Alter von 71 Jahren und in Krems gibt es zur Erinnerung einen „Wichnerplatz“.

 

Dreißig Bücher verfasst
Aber auch an weniger Bekanntes wurde erinnert: Josef Wichner war mit Peter Rosegger befreundet, war Redakteur, einige seiner Gedichte wurden vertont, und ein Vorarlberger Theaterstück „Altmontafoner Spinnstube“ vollendete er noch am Abend vor seinem Tod. Gamons größter Wunsch wäre es, wenn dieses Stück wieder im Montafon gezeigt werden könnte. Er schrieb Erzählungen, Romane, Geographisch orientierte Sammelbände, Heimatbücher, Jugendschriften, Dramen und auch wissenschaftliche Arbeiten. Seine bekanntesten Werke sind die dreibändige Autobiographie „Im Schneckenhaus“, „Im Studierstädtle“ „An der Hochschule“ und das Heimatbuch „Vom Arlberg bis zum Bodensee“.

 

Lesung
Der Nenzinger Gemeindearchivar Thomas Gamon las einige Ausschnitte aus dem Buch „Im Studierstädtlein“. Der Dichter beschreibt hier seine geheimsten Erlebnisse: Die Verführungen des damaligen Stadtlebens in Feldkirch, die Bewältigung seiner Armut, der Kampf mit den Professoren und dem Lernstoff. Es waren interessante Momentaufnahmen vom Leben und den Menschen um 1900. Die musikalische Umrahmung gestaltete der Gesangsverein „Liederhort“ Dornbirn-Hatlerdorf. Es waren schöne Lieder mit Texten des Dichters und dafür gab es auch einen verdienten Applaus. Mit dieser gelungenen Veranstaltung wurde das Leben und die Dichtung eines bekannten Vorarlberger Schriftstellers wieder lebendig und ein großer Dank gilt dem unermüdlichem Forscher Detlev Gamon für diese Initiative.


(Text und Fotos Helmut Köck, November 2016)



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