„Wahrer Mittag“ in Feldkirch exakt gemessen

 

 

 

Wahrer Mittag von Feldkirch (Sonnenhöchststand) am Tag der Wintersonnenwende 21.12.2014. Aufnahmezeitpunkt: 12:19:43 Uhr (ohne Blick auf eine Uhr). Theoretischer Wahrer Mittag an jenem Wendetag: 12:19:40 Uhr – drei Sekunden Differenz.

Das Jahr 2014 stand ganz im Zeichen des 500. Geburtstag ihres berühmten Sohnes Georg Joachim Rheticus. Die Ausstellung "... mehr Gelehrte als Rom!" mit Büchern und wichtigen Artefakten aus Feldkirchs Glanzzeit kann noch bis Ende März im Palais Liechtenstein besucht werden. Bei jeder Stadtführung ist aber das von Bildhauer Hanno Metzler aus Lingenau gestaltete Rheticus-Objekt "Sonnenuhr" vor dem Dom ein Fixpunkt, das überraschende Einblicke gewährt.

 

Präziser „Wahrer Mittag“

In Anlehnung an Rheticus’ eigene astronomische Beobachtungsmethoden ist der Betstuhl eine Sonnenuhr nach dem Prinzip der „Mittagslinie“. Wenn der kreuzförmige Lichtfleck des Betstuhl genau auf die markierte Linie fällt, hat die Sonne ihren tatsächlichen Höchststand erreicht und es ist „Wahrer Mittag“ (Höchststand der Sonne, wenn sie exakt aus Süden kommt) in Feldkirch. Dieser Zeitpunkt ändert sich im Laufe des Jahres. Rheticus Experte Phillip Schöbi konnte sich nun von der präzisen Genauigkeit überzeugen. Ohne zu wissen, wann genau an der Wintersonnenwende 21.12.2014 der Wahre Mittag in Feldkirch ist, hat er an jenem Wendetag ein Foto gemacht, dabei aber einzig darauf geschaut, wann das Lichtkreuz genau mittig auf der Mittagslinie liegt. Erst danach konnte er durch Vergleich der kamerainternen Uhr mit einer Funkuhr, den sekundengenauen Aufnahmezeitpunkt mit 12:19:43 Uhr feststellen. Später erfuhr er von Astronom Helmut Sonderegger, dass der Wahre Mittag an jenem Tag genau um 12:19:40 Uhr war – also nur 3 Sekunden auseinander. Diese Genauigkeit der Feldkircher Rheticus-Sonnenuhr ist fantastisch und überrasche die Experten.

 

Informative Ausstellung

Die Ausstellung " ... mehr Gelehrte als Rom!" präsentiert Bücher und wichtige Artefakte aus Feldkirchs Glanzzeit und gibt einen Überblick über Bedeutung und Wirken der Feldkircher Humanisten und der Besucher bekommt einen Einblick  in das Leben der Menschen und ihre Weltvorstellungen vor 500 Jahren. Tatsächlich erlebte die Stadt zu Beginn der Neuzeit eine außerordentliche Blüte. Georg Joachim Rheticus und Hieronymus Münzer sind nur die zwei bedeutendsten Vertreter einer langen Reihe von bemerkenswerten Feldkircher Humanisten. Noch bis Ende März 2015 ist die Ausstellung im Palais Liechtenstein geöffnet. Schulklassen oder andere Gruppen, die sich für eine fundierte Führung interessieren, können sich beim Leiter der Stadtbibliothek Hans-Gruber, unter +43 5522 304 informieren. 

 

(Bericht und Fotos Helmut Köck, Jänner 2015)

 


 


 


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