Auftakt Rheticus Jahr 2014

Mit dem Neujahrsempfang am 6. Jänner startete in Feldkirch das Rheticus-Jahr 2014. Besonders im Frühjahr, rund um den 500. Geburtstag von Georg Joachim Rheticus (16. Februar), aber auch das restliche Jahr über gedenkt die Montfortstadt eines ihrer bedeutendsten Söhne.

 

Georg Joachim Rheticus wird am 16. Februar 1514 in Feldkirch geboren. Er ist der Sohn des Stadtmedicus von Feldkirch, Georg Iserin, dessen Familiennamen er auch zunächst trägt. Dieser stammt, ebenso wie seine Mutter, aus Italien. 1528 wird der Vater als Dieb und Betrüger mit dem Schwert hingerichtet, es wird vermutet, dass dies auch mit der hohen Bildung Iserins zu tun hatte, die ihm den Vorwurf der Hexerei einbrachte. In manchen Sagen gilt Iserin sogar als Vorbild für den berühmten Dr. Faust, dessen Geschichte vom Streben nach Allwissenheit unter anderem von Goethe aufgegriffen wurde.

 

Der 14-Jährige nimmt daraufhin den Namen seiner Mutter an und beginnt in Zürich ein Studium der Mathematik, das er später in Wittenberg abschließt, wo er in Folge eine Professur erhält. Dort gab er sich auch den lateinischen Namen „Rheticus“, der auf seine Wurzeln in Rätien, der römischen Provinz, zu der das Gebiet von Vorarlberg gehörte hatte, verwies. Mit Hilfe eines Gönners konnte er in Folge eine Studienreise beginnen, die ihn zu Kopernikus führte.

 

Kopernikus den Weg bereitet

Von 1539 bis 1541 ist Rheticus in Frauenburg bei Kopernikus, dessen einziger Schüler er war. Rheticus überzeugt im Laufe dieses Aufenthaltes den Astronomen davon, sein Hauptwerk zu veröffentlichen, das bekanntlich die Erde aus dem Zentrum des Universums nahm und die Sonne an ihre Stelle setzte. Bereits vor der Veröffentlichung von Kopernikus’ Hauptwerk „De Revolutionem Orbium Coelestium“ (Über den Umlauf der Himmelskreise) hatte Rheticus in seiner Abhandlung „Narratio Prima“ über das neue Weltsystem berichtet, und der Zuspruch für das Werk – es musste bald ein zweites Mal aufgelegt werden – ermutigte den 70-jährigen Kopernikus zur Veröffentlichung seines Hauptwerkes. Das Buch von Kopernikus gilt heute als einer der bedeutendsten Meilensteine der Wissenschaftsgeschichte und erschütterte das bestehende Weltbild. Rheticus wurde in Wittenberg unter anderem von Martin Luther für die Vertretung des kopernikanischen Weltbildes kritisiert und verspottet.

 

Auch über die Astronomie hinaus betätigte sich Rheticus wissenschaftlich. Er veröffentlichte ein Werk über trigonometrische Winkel-Funktionen. Später widmete er sich dem Studium der Medizin. Seine akademische Laufbahn endete, nachdem eine Beziehung zu einem Studenten bekannt wurde. Als praktizierender Arzt lebte er in Krakau und später im oberungarischen Kaschau. Dort verbreitete er die Lehre von Paracelsus, dem er als junger Mann begegnet war. Am 4. Dezember 1574 verstarb Rheticus, der mittlerweile in Vergessenheit geraten war.

 

Feldkircher am Mond verewigt

Sein Einfluss auf die moderne Astronomie hat dazu geführt, dass nach dem in Feldkirch geborenen Rheticus 1935 ein Mondkrater (Rhaeticus) und 2001 ein Asteroid benannt wurde. In Feldkirch lebt der große Forscher in Form der Rheticus Gesellschaft fort, die sich der Pflege, Förderung und Erforschung der Kultur und insbesondere der Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften verschrieben hat.

 

(Bericht VN-gms vom 3.1.2014, Foto Helmut Köck)

 


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