Auf den Spuren der Romanik

Fünfzig Kulturinteressierte aus der Montfortstadt wagten am 18. Juni 2011 trotz strömendem Regen eine Kulturfahrt in den Tessin, die von der Rheticus-Gesellschaft angeboten wurde.

 

Wunderbare Zeugnisse

"Petrus hat mir wohl den Vertrag für schönes Wetter aufgekündigt", meinte scherzhaft Reiseleiter Albert Ruetz. Der ehemalige Kulturamtsleiter der Stadt und Germanist überzeugte mit seinem fulminanten Wissen über Landschaften, Geschichte, Kultur und Religion, insbesondere über die Romanik. Jene Zeit also, die ein ganz bestimmtes Phänomen an den Tag legte im Sinne einer baulichen Situation, die aber abhängig war von der geistigen Situation des Mittelalters um das Jahr Tausend herum bis 1300. Jene Zeit also, wo man Gottesburgen für die Ewigkeit baute, weil ja die Ewigkeit das zentrale Thema des Menschen bedeutete.

 

Zuerst ging es nach Graubünden, dem größten schweizerischen Kanton mit einer reich gegliederten Landschaft und Bevölkerung. Die romanische Bevölkerung hatte sich mit den Kelten zusammengetan und es entstanden viele romanische Dialekte. Nur wenig abseits der Hauptstraßen befinden sich wunderbare Zeugnisse einer lebendigen Kulturgeschichte dieses Landstriches. Die erste Station was Mesocco, mit dem Castello, das wegen Nebel kaum sichtbar war. Am Fuße der Burg dann die Kirche Santa Maria al Castello mit deren wunderbaren Fresken aus dem 15. Jahrhundert, welche der Werkstatt der Seregnesi zugeschrieben werden. Auch hier war wieder ganz klar die Ausrichtung zum theozentrischen Denken dieser Zeit erkennbar, wo das  gesamte Heilsgeschehen im Jahreskreis eingebunden ist und auch die Zeugen, die Heiligen,  bildlich dargestellt wurden.

 

Einzigartige Fresken

Bereits schon im Tessin angekommen, wurde die Kirche San Nicola besucht, die Reiseleiter Ruetz als besondere Überraschung eingeplant hatte. Hier konnten eine einmalige Krypta und ebenso schöne Fresken am Chorbogen bestaunt werden. 

 

Weiter ging's nach Biasca, wo die Kirche San Pietro mit ungewöhnlicher Architektur und gut erhaltener Kunstwerke von der Romanik bis in den Barock faszinierte. Nirgends lässt sich das Tessin mit seiner turbulenten Geschichte besser erfahren als in solch kleinen Dörfern. Von Biasca ging die Fahrt ins Blenio Tal, der Bus hatte einige Mühen, die vielen engen Kurven zu passieren. In Prugiasco, gab es zum Abschluss dann in der Kirche San Carlo von Negrentino eines der größten Kostbarkeiten des Tessins, ja der Schweiz, zu besichtigen. Einst war diese Kirche die zentrale Pfarrkirche der gesamten Region der Ambrosianischen Täler, die Leventina, Blenio, Riviera, Moleno, Preonzo und Gnosca umfassten.

 

Einen richtigen "Wow-Effekt" erlebten die kulturbeflissenen Besucher in diese Kapelle. Durch das aktivierte Licht berauschte  die Schönheit der Fresken geradezu. Vielfarbig erkannte man dann die  Bilder, die bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen und als prachtvolle Kunstwerke der Romanik zum Staunen anregten. So zeigte diese Exkursion in den Tessin, dass dieser Landstrich in unserem Nachbarland weit mehr bietet als nur die Kulisse auf der Fahrt in den Süden. Es ermöglichte, aus unserer Zeit hinein zu denken in die Vergangenheit und somit ein Stück jener Wurzeln zu finden, die uns wichtig erscheinen.

 

(Text und Fotos Helmut Köck, Juni 2011)


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