Hinter den Kulissen des Staatsarchivs in Liechtenstein 

 

Die Rheticus-Gesellschaft ermöglichte am 22. Oktober 2010 eine spannende Führung durch das "Gedächtnis" des Liechtensteinischen Landesarchivs.

 

Genau vor einem Jahr wurde das nach modernsten Grundsätzen neu erbaute Landes- bzw. Staatsarchiv in Vaduz eröffnet. Die Führung mit dem Amtsleiter-Stellvertreter des Landesarchivs Mag. Rupert Tiefenthaler begeisterte die Teilnehmer aus Feldkirch, welche einmal hinter die Kulissen schauen durften. Der Baukörper, der sich neben Landtag und Regierungsgebäude am Berghang gut integriert, ist ein gekonntes Bauwerk der FL Architekten und kostete 27 Millionen Franken. Am Abend wird die Fassade der Magazinwand  als Teil eines Projektes "Kunst am Bau" mit historischen Bildern angestrahlt, was dem Gebäude eine ganz tolle Stimmung verleiht.

 

Gedächtnis und Schatzkammer

Das Landesarchiv ist das zentrale Archiv für alle staatlichen Stellen des Fürstentums Liechtenstein. "Wir haben drei Bereiche", so Rupert Tiefenthaler. "Hier werden die wertvollen Unterlagen der Regierung, der Verwaltung, des Landtags und der Justiz aufbewahrt und zugänglich gemacht. Zu den gesetzlichen Aufgaben des Landesarchiv gehört weiter der Aufbau von einzelnen Dokumentationen und Sammlungen zur Landesgeschichte (Foto-, Ton- und Bildsammlung, Presseausschnitte usw.). Der zweite Bereich nimmt auch Archivgut von privaten Personen sowie Institutionen und Firmen entgegen, und drittens  bauen wir in wichtigen Bereichen eigene Dokumentationen und Sammlungen auf", berichtet  Tiefenthaler weiter.  Der Landesfürst betreibt sein eigenes Archiv.

 

Sicherung – Erschließung - Vermittlung

Insgesamt verwaltet das Landesarchiv an die 7.000 Laufmeter Archivalien, die einen wichtigen Teil des liechtensteinischen kulturellen Erbes darstellen. Es ist ein Ausbau bis zu 18.000 Laufmetern möglich. Bei der Führung konnte auch die Scan-Station besichtigt werden, wo in aufwändigen händischen Arbeitsschritten Grundbücher, Urkunden, Pläne usw. erfasst werden. Die Speicherung erfolgt in der Folge auf dem sehr langlebigen 16mm Mikrofilm auf Polyesterbasis. Aufbewahrt wird  Schriftgut staatlicher Einrichtungen seit 1341 bis zur Gegenwart.

 

Genauso wichtig wie die Archivierung selbst  ist das Zugänglichmachen der Dokumente. In einer allgemein verständlichen  Strukturierung werden neben der Signatur, Titel und Entstehungszeit der Archivalien noch weitere Daten in einer Datenbank erfasst, die dann im Benutzerraum und auch teilweise im Internet  (www.la.llv.li) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Bis Ende 2008 waren bereits 994.000 Dokumente erschlossen.

 

(Text und Foto Helmut Köck Oktober 2010)

 



Facebook Twitter Google+