Exkursion in den Thurgau

Eine ganz besondere Exkursion organisierte die Rheticus-Gesellschaft am 24. April 2010 mit dem Besuch der Altstadt von Frauenfeld und der Klosteranlage mit Museum in Ittingen im Kanton Thurgau, wo einst die Karthäuser Mönche lebten.

 

Habsburger Wurzeln

Unter der kompetenten Führung von Hans Brunschweiler, dem Leiter des Präsidialamtes und Kulturbeauftragten der Stadt Frauenfeld gab es eine Besichtigung der  sehenswerten Altstadt von Frauenfeld. 1232 wurde die Stadt von den Grafen von Kyburg gegründet und nach diesem Geschlecht nannten sich auch die Habsburger, die im Thurgau ihren "Altbesitz" aufwiesen. Die Stadt Frauenfeld mit knapp 28.000 Einwohnern ist der Hauptort  des Kantons. In den Jahren 1771 und 1788 wurde die Stadt von verheerenden Feuersbrünsten heimgesucht, bei denen die meisten alten Häuser zerstört wurden.

 

Das heutige Stadtbild wurde daher in hohem Maße am Ende des 18. Jahrhunderts geprägt, besonders durch die spätbarocken und klassizistischen Repräsentationsbauten (z.B. Luzerner Haus, Berner Haus).  Nach der Führung ließ es sich das Stadtoberhaupt nicht nehmen, selbst die Gäste aus Feldkirch mit einem Aperitif des berühmten Thurgauer Weines zu erfrischen.

 

Barockbaumeister aus dem Ländle

Anschließend erfolgte die Weiterfahrt nach Ittingen zur Besichtigung der Karthause und des Thurgauer Kunstmuseums. Intensive historische Beziehungen zu Vorarlberg waren lange Zeit gegeben, da die meisten Thurgauer Klöster im 17. und 18. Jh. von Bregenzerwälder Barockbaumeistern erbaut worden sind. Nicht vergessen werden soll, dass ein Thurgauer Kloster bereits im 13. Jahrhundert eine der bedeutendsten Vorarlberger Pfarreien besaß, nämlich St. Peter in Rankweil.

 

Kartause Ittingen

Die Kartause Ittingen, als ehemaliges Kartäuser-Kloster und als Ort mit über 800 Jahren Geschichte, zählt heute zu den wichtigsten Kulturdenkmälern der Region. Mit der vollständigen Renovation und Wiedereröffnung im Jahre 1983 hat die Kartause Ittingen ihren Platz als Kulturzentrum mit Ausstrahlung in kultureller, spiritueller und kulturgeschichtlicher Hinsicht eingenommen und ist heute wieder eine Begegnungsstätte für Menschen aller Kulturen, Nationen und Religionen.

 

Die Besucher waren begeistert von der einmaligen Renovierung der charakteristischen Mönchshäuschen mit ihren Vorgärten. Gut verständliche Beschriftung und multimediale Elemente in den Ausstellungsräumen eröffneten viele Details aus der Geschichte des Klosters. Beim Rundgang durch den inneren Klosterbezirk gab es Einblick über die damaligen Funktionen im Leben der Mönche, das mit Stille und Einsamkeit, Schweigen und Beten, aber auch mit Arbeiten ausgefüllt war. Diese konsequent gelebte Form von damals ist heute nur schwer nachvollziehbar. Wichtige Voraussetzung für das klösterlich kontemplative Leben der Mönche in der Klausur bildete eine florierende und gesunde Wirtschaftslage des Klosters. Die klostereigene Landwirtschaft mit Land, Wald, Reben und den handwerklichen Betrieben sorgte damals für Unabhängigkeit.

 

Ort der Begegnung

Werte wie Gastfreundschaft, Fürsorge, Bildung und Begegnung, Besinnung, Spiritualität und Naturverbundenheit finden ihren Niederschlag im Betriebskonzept. So betreibt die Kartause Ittingen heute ein über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Schulungs- und Seminarzentrum mit einem Gastwirtschaftsbetrieb, einem Gutsbetrieb mit eigener Käserei und Weinbau, eine Gärtnerei sowie den Heim und Werkbetrieb für psychisch und geistig behinderte Menschen.

 

Im Kunstmuseum des Kantons Thurgau, werden laufend interessante Ausstellungen einheimischer und ausländsicher  Künstler präsentiert. Die interessante Exkursion endete mit einem gemütlichen  Hock in  der Klosterschenke mit der Verkostung des gutseigenen Ittiger-Bieres oder des vorzüglichen Weins aus der eigenen Weinkellerei.

 

(Text und Fotos Helmut Köck April 2010)



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