Auf den Spuren der Zisterzienser

 

Zu einer interessanten Exkursion in die Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau lud am 26. Juni 2010 die Rheticus-Gesellschaft. Prof. Dr. Elmar Schallert verstand es, die geschichtlichen Hintergründe und Wissenswertes in seiner humorigen Art den zahlreichen Gästen zu vermitteln.

 

Das abendländische Mönchtum

Der hl. Benedikt (gest. um 550)  ist der eigentliche Vater des abendländischen Mönchtums und hat durch seine Regel eine Grundlage geschaffen, auf der im 11. Jahrhundert praktisch alle monastischen Klöster aufbauten.

 

Die Benediktiner - Mehrerau

Um das Jahr 1097 gründete Graf Ulrich X. von Bregenz in der Au am See ein Benediktinerkloster, das er mit Mönchen aus Petershausen bei Konstanz im Sinne der Hirsauer Reform besiedeln ließ; vorher war es eine Einsiedelei in Andelsbuch. Das Kloster St. Peter in der Au erlebte im Mittelalter eine Zeit der Blüte, geriet aber durch Misswirtschaft im 15./16. Jahrhundert in Bedrängnis. Nach dem Konzil von Trient erlebte die Mehrerau einen neuen Aufschwung. Die Bayerische Zwischenregierung löste jedoch den Konvent am 1.08.1806 endgültig auf. Kirche und Kirchturm wurden abgetragen und die Steine für den Bau des Lindauer Hafens verwendet.

 

Wettingen - Mehrerau

Am 8. Juni 1854 besiedelten die vertriebenen Mönche aus Wettingen die Reste der alten Benediktinermehrerau. Der Einzug der Mönche gestaltete sich in Bregenz als Freudenfest der Bevölkerung. Durch die Großzügigkeit der Bregenzer Grafen entstand am Ufer des Bodensees eine massive romanische Anlage (Fundamente zugänglich), die 1125 geweiht wurde. Der alte Komplex wich im 18. Jh. einer großartigen Barockkirche und einem entsprechenden Konventbau (Franz Beer, um 1740), doch die kirchenfeindliche Regierung der Bayern ließ zu Beginn des 19. Jh. die Kirche abreißen und die Steine für den Hafenbau von Lindau verwenden.

 

Die Zisterzienser

Lange Zeit blieb die Klosterstätte wüst und leer, bis Zisterziensermönche aus Wettingen in der Schweiz, die dort vertrieben worden waren, 1854 das gesamte Anwesen kauften und in eine aufblühende Stätte der Musik, der Liturgie und des Schulwesens verwandelten. Die neuromanische Klosterkirche wurde durch den Vorarlberger Architekten Hans Purin anfangs der 60er Jahre umgestaltet.

 

Wertvolle historische Bibliothek

Einen nachdrücklichen Eindruck bei den Besuchern hinterließ der Besuch in der Barockbibliothek. Sie kann als Herzstück im klösterlichen Gemeinschaftsleben gesehen werden und ist mehr als nur ein Regal mit alten Büchern. Im Barocksaal befinden sich Lexika sowie die Themen Kirchenväter "Biblica und Cisterciensia". In der Barockbibliothek sowie in der die große (neuen) Bibliothek gibt es derzeit ca. 130.000 Bände. Berühmte ausgestellte Werke sind unter anderem die Emser Chronik von 1626 sowie die Luther Bibel aus 1561.

 

Auch Schüler und Lehrer des vom Kloster geführten Privatgymnasiums "Collegium Bernardi“ greifen gerne auf ihre Bücher zurück, wenn etwa im Rahmen schriftlicher Arbeiten entsprechende Nachforschungen notwendig sind. Die klassische Mehrerauer Schulkarriere findet in diesem wunderbaren Raum ihren würdigen Abschluss, wenn die Schüler hier ihre Matura positiv abschließen.

 

Nicht fehlen durfte nach der interessanten Führung der gemütlichere Abschluss im gut bestückten Klosterkeller.

 

(Text und Fotos Helmut Köck Juni 2010)

 



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